Der Weg zum Reha-Buggy

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    iwiiwi

    Als unser autistischer Sohn 4 Jahre alt war, wurde er langsam zu groß für seinen Buggy, aber trotzdem war seine Kinderkarre noch ein regelmäßiger Begleiter. Sei es, um ihn bei einem langen Spaziergang mit runtergezogenem Verdeck nach einer anstrengenden Aktivität oder zu vielen Eindrücken zu etwas Ruhe zu verhelfen oder, um das Kind mit extremen Weglauf- und Hinlauf-Tendenzen sicher von einem zum anderen Ort zu bringen.

    Viele Stunden verbrachte ich im Internet und durchforstete erfolglos die Seiten verschiedener Kinderwagen und -Buggy-Hersteller, um ein größeres Modell für unsere Zwecke zu finden – ohne überhaupt eine Ahnung davon zu haben, dass es Reha-Buggys für besondere Kinder gibt. Nur durch Zufall bin ich auf einen Blog einer Mutter mit autistischem Kind gestoßen, die über die Möglichkeit eines Reha-Buggys für autistische Kinder aufklärte.

    Nun war ich einen Schritt weiter – ich schaute mich nun auf den Internetseiten von Anbietern für Reha-Buggys um und telefonierte mit einem Hersteller, der die Möglichkeit anbot, einen für uns passenden Reha-Buggy für 2 Wochen zu testen. Mittlerweile war unser Sohn 5 Jahre alt und seine Beine waren nun wirklich zu lang für unseren alten Buggy…

    Es dauerte 4 Wochen, bis wir den Probe-Buggy – den Mewa von Thomashilfen – vom Sanitätshaus vor Ort geliefert bekamen. Wir testeten ihn ausgiebig und waren mit dem Handling zufrieden. Für uns war es besonders wichtig, dass das Kind darin auch „abgeschottet“ sitzen kann, dass das Verdeck tief zu ziehen ist und bei Bedarf wenig Reize von außen eindringen können. Einziger Nachteil war das Verladen ins Auto, was allein der Größe des Buggys geschuldet war, die bei anderen Reha-Buggys aber ähnlich gewesen wäre.

    Mit Hilfe des Mitarbeiters des Sanitätshaus wurde der Reha-Buggy bei der Krankenkasse beantragt. Dafür brauchten wir eine Verordnung vom Kinderarzt mit der Hilfsmittelnummer des Buggys sowie der Diagnose des Kindes. Das Sanitätshaus hat außerdem einen Kostenvoranschlag für die Krankenkasse geschrieben.

    Nun waren wir voller Zuversicht, dass der Buggy bald geliefert werden würde. Aber weit gefehlt: Vom Antrag bis zur Auslieferung verging fast ein halbes Jahr. In dieser Zeit ist die Krankenkasse gefühlt nur aktiv geworden, wenn ich oder der Mitarbeiter des Sanitätshauses nachgehakt haben. Erst sollte sich der Kinderarzt noch mal ausführlich äußern, warum das Kind überhaupt einen Reha-Buggy braucht. Dann wurde wieder geprüft. Dann wurde irgendwann bewilligt – aber das hieß dann noch nicht, dass das Sanitätshaus liefern durfte, sondern, dass dann deutschlandweit der Bestand an gebrauchten Reha-Buggys abgefragt wurde, die für uns in Frage kommen könnten. Nach langer Sucherei stellte sich heraus, dass es im Bestand für uns nichts gab und das Sanitätshaus für uns einen neuen Mewa bestellen durfte. Die letzten Wochen Wartezeit lagen an den Bestell- und Lieferfristen des Herstellers.

    Für uns war es in Summe ein so langer und steiniger Weg zum Reha-Buggy von 1,5 Jahre (vom ersten Gedanken „wir brauchen was Größeres“ zu „da ist nun der neue Buggy“), dass wir am Ende kurz davor waren frustriert aufzugeben. Denn natürlich hatte sich unser Kind in dieser Zeit auch weiterentwickelt und brauchte nicht mehr ganz so häufig einen Buggy. Rückblickend bin ich aber froh, dass wir es dann doch noch bis zum Ende durchgehalten haben. Unser Sohn ist mittlerweile 6 Jahre alt. Wir nutzen den Buggy nicht mehr täglich, aber immer noch regelmäßig und mittlerweile zieht er sich zum „Runterkommen“ selber das Verdeck ganz tief und versteckt sich in seiner „rollenden Höhle“.

    Der Buggy ist nun so lange eine Leihgabe der Krankenkasse, wie wir ihn für unser Kind benötigen. Wird er nicht mehr gebraucht, rufe ich das Sanitätshaus an und lasse ihn wieder abholen. Aber damit werde ich mir noch Zeit lassen. Noch einmal möchte ich dieses zermürbende Antragsverfahren nicht durchmachen. Im Nachhinein bin ich allerdings froh, dass wir nicht auch noch in Widerspruch gehen mussten. Das ist uns glücklicherweise erspart geblieben.

    • Dieses Thema wurde geändert vor 5 Monaten, 1 Woche von iwiiwi.
    #2340
    FullhouseFullhouse

    Beim lesen spürt man förmlich den steinigen Weg.

    Schön das euer Sohn seine rollende Höhle gerne nutzt.

    Unser Junior fand den Kinderwagen wie Buggy nicht so prickelnd.

    Als Baby hatten wir ihn am Körper im Tragetuch. Später saß er im Tragegestell auf dem Rücken, er lief aber auch früh und gerne.

    Mit seinem kleinen Bruder stand er gerne auf dem Board am Kinderwagen. Und dann hatten wir meist den Fahrradanhänger dabei.

    Das war dann seine Rückzugshöhle.

    Der Anhänger war für zwei Kinder, so war gut Platz vorhanden. Aber irgendwann war er zu groß geworden.

    Der Fahrradanhänger war für unebenes Gelände oder Strand auch klasse, der fuhr überall rüber.

     

    #2372
    MaschaMascha

    Solch einen Buggy hätte Max bestimmt auch lange und gerne genutzt. Womöglich würde er es noch heute tun wenn er die Möglichkeit hätte. Viel länger als für seine Brüder nutzten wir den normalen Buggy. Auch weil er sehr lauffaul war (und noch ist). Mit ca. 4 / 5 Jahren wurde er zu gr0ß und zu schwer. Wäre ich damals auf die Idee gekommen, das es solch einen Reha-Buggy gibt hätte ich das evtl. auch in betracht gezogen. Längere Spaziergänge sind seither nicht mehr möglich 🙁 Selbst zum Altglascontainer, der vielleicht 100 m entfernt ist, nimmt er lieber den klapprigen Cityroller als zu laufen.

    Deine Geschichte zeigt, dass es absolut wichtig ist sich nicht unter kriegen zu lassen. Hut ab für dein Durchhaltevermögen!

    Und für alle die das Glück haben diesen Erfahrungsbericht frühzeitig zu lesen mein Rat, sich schon bevor der Bedarf wirklich da ist darum kümmern, damit möglichst kein Zeitraum entsteht wo der Bedarf da ist, aber die Bewilligung noch in weiter Ferne liegt.

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