Was bringt die Diagnose?

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  • Dieses Thema hat 29 Antworten und 7 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 1 Monat von KrisKris.
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  • #3286
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Hallo zusammen, ich bin neu hier und freue mich auf Austausch 😊 Ich hoffe, das ist das richtige Forum für meine Fragen.

    Mein Kind (*2015) war schon immer sehr intensiv. Zum Ende des 1. Lebensjahres waren wir zum ersten Mal bei einer Beratungsstelle, seit er 2,5 ist, waren wir immer wieder in Ergotherapie, mit 3 wurde der Verdacht auf ADHS ausgesprochen – was mich aber damals sehr überrumpelt hat, da mein Kind bis dato nach meiner Sicht keine Konzentrationsprobleme gezeigt hat und extrem ängstlich war (und ist) und damit nicht in das Bild gepasst hat, dass ich von ADHS hatte. Mit 5 kam mir der Verdacht auf Asperger, der aber von Ergotherapeutin und Ärztin abgelehnt wurde. Letztes Jahr wurde das Kind eingeschult und tja, nach 2 Monaten fragte die Lehrerin, ob das Kind Asperger sein könnte 🤷🏻‍♀️ Seither sind wir also in der Findung. Test auf Hochbegabung wurde gemacht (Kind liegt laut Ergebnis knapp drunter), wir sind bei verschiedenen Ärzten für Tests und kriegen wahrscheinlich im Dezember ein Ergebnis. Beim ersten Gespräch gestern meinte die Ärztin, die Autismus diagnostizieren soll, dass sie anhand meiner Beschreibung Asperger plus ADHS vermutet und das denke ich mittlerweile auch, da Aspekte von beidem zutreffen, Kind aber bei beidem nicht in das typische Bild passt.

     

    Soweit, so gut. Nachdem wir das also schon eine Weile mit uns rumschleppen, bin ich gerade sehr froh, dass sich etwas tut. Allerdings frage ich mich auch: Was wird uns die Diagnose bringen? Ergotherapie hatten wir ja schon und es hat bei den größten Problemen wenig bewirkt. Was hat es euch geholfen, eine ärztliche Bestätigung zu bekommen?

    #3289
    MaschaMascha

    Hallo, schön das du hierher gefunden hast!

    Zu deiner Frage: Eine Diagnose öffnet deinem Kind einige Türen zu Hilfen die sonst nicht gewährt werden.

    Zum Beispiel habt ihr die Möglichkeit eine Schulbegleitung /Integrationskaraft zu beantragen. Viele Kinder profitieren von der Unterstützung um sich besser organisieren zu können, den Überblick zu behalten, im Overload einen “swicheren Hafen” zu haben. Auch kann es vor Überlastung und Mobbing schützen.

    Wichtig kann auch die Möglichkeit eines Nachteilsausgleiches für dein Kind werden.

    Auch werden bestimmte Therapien ohne Diagnose nicht von der KK gezahlt.

    Mit Diagnose kann ein Pflegegrad beantragt werden. Dadurch kann  u.a. Verhinderungs- und Kurzzeitpflege genutzt werden wenn. Wichtig wenn sich die Hauptpflegeperson z.B. durch Krankheit nicht um das Kind kümmern kann, oder einfach nur zur Entlastung. Je nach Pflegegrad gibt es dann auch Pflegegeld und die Hauptpflegeperson erwirbt weiter Rentenansprüche. Bei uns z.B. nicht unerheblich, da ich nach wie vor, aufgrund des Autismus meines Sohnes nicht arbeiten gehen kann.

    Ebenfalls kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden. Dieser ermöglicht je nach GdB und Merkzeichen Vergünstigungen bei Eintritten und auch kann es steuerlich einiges ausmachen.

    Das sind nur ein paar Dinge die mir sofort einfielen. Alles kann, nichts muss.

    Hinzu kommt, das mit einer gesicherten Diagnose oft auch die Akzeptanz im Umfeld größer ist. Häufig werden Kinder im Spektrum als schlecht erzogen abgestempelt und keine Rücksicht auf ihre Bedürfnisse genommen.

    Soviel in Kürze, muss gleich weiter. Gerne weiter fragen, wo auch immer Fragen hast.

    #3290
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Vielen Dank für deine Antworten! Schulbegleitung wünscht sich die Lehrerin. Wir werden sehen, ob wir damit Erfolg haben. Was genau bringt ein Nachteilsausgleich? Mein Kind ist ja tendenziell eher einer der cleveren in der Klasse, kann aber Aufgaben nicht anfangen und würde dadurch natürlich schlechte Noten bekommen.

     

    Was bringt der Pflegegrad? Ich arbeite 28 Stunden. Das geht schon. Aber ich bin oft schon mit den Nerven am Ende, bis die Kinder mal aus dem Haus sind und merke oft, dass es mir zu viel ist.

     

    Nach außen ist mein Kind zwar etwas merkwürdig, aber benimmt sich eigentlich gut. Die Wutanfälle hat er meist zu Hause, sodass viele gar nicht verstehen, warum ich “mich so anstelle”. Es täte MIR gut, zu wissen, dass ich nicht einfach nur übertreibe… Aber hilft das dem Kind?

    #3292
    iwiiwi

    Ergänzend zu Maschas Ausführungen fällt mir noch ein, dass Deinem Kind mit Diagnose auch eine Autismusförderung/-therapie zusteht. Bei uns kommt zum Beispiel einmal die Woche eine speziell auf Autismus geschulte Heilpädagogin ins Haus und übt spielerisch mit unserem Sohn die Dinge, die ihm schwer fallen. Diese Förderung bekommst dein Kind auch nur mit Diagnose und wird bei der Eingliederungshilfe beantragt.

    Wenn Dein Kind einen Pflegegrad hätte, könnte das Pflegegeld (ab Pflegegrad 2) dich ggf soweit entlasten, dass du im Job ein paar Stunden reduzieren könntest und ihr trotzdem keine finanziellen Einbußen hättet. Von den Entlastungsleistungen könntet ihr z.B. eine Betreuung am Nachmittag finanzieren. Unser Sohn verabredet sich zum Beispiel gar nicht, heißt somit, dass er ununterbrochen mit mir zusammen ist – was bisweilen ja auch sehr anstrengend sein kann. Ich habe z.B. eine Freundin, die in der Corona-Zeit regelmäßig mit ihm Ausflüge gemacht hat (finanziert über den Entlastungsbetrag), sodass wir Eltern am Wochenende auch mal durchatmen konnten oder etwas erledigen konnten, was mit ihm zusammen nicht geht.

    Dem Kind hilft es sicherlich, wenn Du in Deiner Sicht von der Diagnose bestätigt wirst. Vielleicht verändert sich dann auch Dein Umgang mit ihm. Ich habe mit der Diagnose z.B. für viele Verhaltensweisen mehr Verständnis entwickelt und bin so entspannter im Umgang mit meinem Sohn geworden. Somit hilft es auch dem Kind, oder? 🙂

    #3295
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Das ist spannend. Da bin ich mal gespannt, was uns angeboten wird.

    Mein Kind ist jeden Tag in der Schule und anschließend bis 16 Uhr im Hort (kostet hier auch nicht viel). Da aber beide Kinder sehr spät ins Bett gehen, haben wir tatsächlich sehr wenige Pausen. Der Tag besteht abwechselnd aus Kind und Arbeit und kaum mehr.

    Ich bin mir sehr sicher, dass eine Diagnose sicher ist. Ich übe mich darin, mehr Verständnis zu haben, aber es ist noch ausbaufähig.

    #3305
    FullhouseFullhouse

    Hallo und herzlich willkommen bei uns.

    Durch die Diagnose beschäftigt man sich selber mehr mit dem Thema.

    Ich treffe mich gerne mit erwachsenen Autisten um ihre Sichtweise kennenzulernen. Das erklärt viel. Aber nicht alles, weil wirklich jeder Autist anders ist.

    Warum ist es bei euch morgens so stressig?

    Vielleicht lässt sich da etwas ändern das es für alle leichter wird?

     

    #3306
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Das Problem bei uns ist, dass das Kind morgens furchtbar schlechte Laune hat (verständlich) und eigentlich sehr viel Zeit bräuchte, aber gleichzeitig länger schlafen müsste. Aufgaben anfangen geht schlecht bis gar nicht, wir dürfen aber auch nur noch bedingt helfen. Gleichzeitig müssen wir auch noch die kleine Schwester fertigmachen. Schuhe und Jacke zieht er meistens erst an, wenn alle anderen schon gehen. Pünktlich aus dem Haus zu kommen, ist echt schwer. Mir fällt es allerdings auch noch schwer, alles für das Kind zu machen. Selbst, wenn er zu Hause nichts machen muss – in der Schule muss er es ja können.

    #3307
    FullhouseFullhouse

    Ich kenne euch ja nicht und frage daher einfach mal so in den Raum rein.

    Würde es ihm helfen, wenn er seine Arbeitsschritte in der Früh schriftlich oder bildlich bekommt?

    Z. B. Um 7 Uhr aufstehen

    7.05 Uhr Zähneputzen

    7.10 anziehen ( vielleicht die Kleidung schon in der richtigen Reihenfolge liegen haben)

    7.20 Uhr Frühstück

    7.30 Schuhe anziehen

    7.35 Haus verlassen

     

    Nur als Beispiel. Das geht auch gut in Bildern.

    Dann musst du nicht reden und er kann schauen was als nächstes dran ist.

    Braucht aber Übung und klappt nicht bei jedem Kind.

    Meiner mochte es nicht.

     

    #3308
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Ich glaube, meiner würde es auch nicht wollen. Er weiß es ja eigentlich. Er redet und tanzt aber einfach lieber, als die Aufgabe anzufangen. Aufstehen und anziehen geht mittlerweile mit einer Zeitvorgabe ganz okay, aber Schuhe anziehen ist schwer. Und ich bin auch SEHR froh, wenn wir die Kinder morgens nicht mehr eincremen müssen…

    #3318
    ColombinaColombina

    Etwas verspätet von mir noch ein Kommentar zur Ausgangsfrage:

    Gerade wenn das Kind nach außen gerne etwas “merkwürdig” erscheint, wie du es ja auch schreibst, finde ich es hilfreich z.B. bei einem Elternabend den Grund dafür benennen und erläutern zu können. Bei uns hat das die Situation in der Klasse spürbar verbessert und zumindest bis heute auch das Thema Mobbing beendet.

    Voraussetzung für diese Aufklärung war für uns aber immer, dass erst mein Sohn selbst Bescheid wusste. Ich wollte unbedingt verhindern,  dass er das Wort “Asperger” zum ersten Mal auf dem Pausenhof hört.

    Auch meinem Sohn selbst hilft es zu wissen, warum er anders ist. DASS er es ist merkt er ja sowieso, das wird bei euch nicht anders sein. Heute ist er stolz darauf und hat es seinen Klassenkameraden selbst erzählt.

     

    #3319
    ColombinaColombina

    Zum Nachteilsausgleich:

    Anfangen muss er natürlich schon, da hilft der beste Ausgleich nix;-)

    Üblich sind längere Bearbeitungszeiten und, wenn auch feinmotorische Schwächen per Diagnose bestätigt sind, eine größere Toleranz bei Schriftbild und Geometrie (die fängt schon beim Umgang mit dem Lineal in der zweiten Klasse an).

    Außerdem gibt es glaub ich auch so was wie die Möglichkeit, Tests unter Aufsicht in einem anderen Raum zu schreiben, wenn das im Klassenverband nicht möglich ist. Da kenne ich mich aber nicht aus.

    #3321
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Ich habe es ihm vor den Arztterminen erklärt. Ich habe erklärt, dass Menschen wie Maschinen sind: Die meisten werden nach dem gleichen Bauplan gebaut, aber manche sind ein bisschen anders und habe ihm erklärt, was Autismus und ADHS ist. Mit Autismus konnte er nicht so viel anfangen, aber bei ADHS sagte er sofort: Das habe ich! Ich denke, das ist schon mal ein Anfang. Keine Ahnung, wie die anderen Eltern in der Klasse reagieren würden.

    #3340
    FlorentinaFlorentina

    Hallo zusammen , ich weiß nicht ob ich hier richtig bin mit meinen Fragen . Aber ich erzähl euch einfach mal.. 🙂

    Mein Sohn ( 4 Jahre ) war uns als Baby ein Rätsel, zudem wir nie im Umfeld auf einen Autisten gestoßen sind oder irgendwie Kontakt hatten um es genau zu bemerken. Im ersten Jahr haben wir gemerkt das er auf Rufen  und Spielen  nicht reagiert . Dachten uns aber nichts dabei, dadurch das es unser erstes Kind war und wir die Hoffnung hatten es komme bald alles nach. Gelaufen und gekrabbelt hat er im normale Alter . Er hat uns aber nie mama oder Papa genannt oder unsere Nähe gesucht.. unser Arzt war der Meinung es komme alles noch. Mit 2 haben wir auf eine Überweisung ins SPZ gedrängt. Sofort wurde Verdacht auf Autismus gelegt . Mittlerweile ist seine Diagnose fest . Die Frage : welche Therapien haben bei euch bzw. euren Kindern gut angeschlagen. ( momentan haben wir Logo , Ergo wurde pausiert aufgrund von kindergarten Beginn , um anzukommen ) . Unser Sohn brauch keine Medikamente momentan. Wird aber oft nervös oder hat Wutausbrüche wenn er sich äußern will und es nicht kann. Könnt ihr irgendwas pflanzliches wie Globulins etc empfiehlt vielleicht bei euch geholfen haben .
    mich bin über den kleinsten Rat sehr dankbar..

    #3342
    ShadowsOfTheMessYouMadeShadowsOfTheMessYouMade

    Ich habe keine Ahnung und es wird sicher keine Wunder wirken: Aber Kamillentee ist ein gutes pflanzliches Mittel, das im gewissen Rahmen beruhigend wirkt. (Falls dein Kind das trinkt. Meine würden es nicht anrühren.) Zucker würde ich eher nicht geben. Das macht eher noch nervöser.

    #3343
    FlorentinaFlorentina

    Ja, meiner leider auch nicht .. er trinkt keinerlei Tee oder Säfte . Wasser ist sein Hauptding. Ich habe lange gesucht auch im Internet . Aber ich bin mir immer so unsicher und habe angst das ich ihn unruhiger mache. Ich hab von Globulis gelesen die gehen Nervosität sind .
    wie alt ist dein Kind oder Kinder ?

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